Presseerklärung der SPD Heiligenhafen – AKW-Schutt nach Johannistal?


Am 13.01.2021 weist der Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/ Die Grünen) den Deponien Lübeck-Niemark und Johannistal freigemessenen Bauschutt  aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel zu. In der Presse wurde hierüber bereits berichtet.

Die Heiligenhafener SPD ist der Auffassung, dass der sogenannte „freigemessene Bauschutt“ aus den AKWs die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte sicherlich einhält. Das wird schon stimmen. Der Aufwand für die Bearbeitung des Bauschutts bis zum Zertifikat „freigemessen“ ist aber erheblich und vor allen Dingen ist die Radioaktivität in diesem Material nicht zu vernachlässigen, wenn man weiß, dass unsere gesetzlich festgelegten Grenzwerte ein willkürliches Maß sind.

In der Biologie und auch in der Humanmedizin gibt es keine Grenzwerte, die eine vollkommene Wirkungslosigkeit und damit auch eine absolute Unbedenklichkeit der Radioaktivität und ionisierenden Strahlung garantieren, was dann auch eine absolute Unbedenklichkeit für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder bedeuten würde.

Außerdem hat sich der Umgang mit ionisierenden Strahlen in den letzten Jahrzehnten in unserer Gesellschaft erheblich verändert, wir sind alle viel vorsichtiger und zurückhaltender im Umgang mit dieser Strahlung geworden. Z.B. ist das Röntgen in der Medizin drastisch reduziert worden, weil wir zunehmend mehr über die Schädlichkeit der Radioaktivität und ionisierender Strahlen gelernt haben. Stattdessen werden andere Untersuchungstechniken eingesetzt.

Die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) schlägt stattdessen folgendes Vorgehen vor, was auch sehr einleuchtend ist:

Die vielleicht wichtigsten Fragen rund um das Thema Rückbau und Freimessen lauten daher: Warum betreibt man diesen gigantischen Aufwand mit dem Atomkraftwerks – Rückbau überhaupt? Welchen Sinn hat es, schwach- und mittelaktiven Atommüll aus dem Kraftwerk in ein Zwischenlager gleich nebenan zu verschieben? Welchen Sinn hat es, Materialien zu dekontaminieren und die kontaminierten Abwässer im schlechtesten Fall in die Flüsse abzuleiten? Welchen Sinn hat es, den Stahl und Beton der Gebäude abzureißen, freizumessen, und anschließend auf eine Hausmülldeponie zu fahren? Warum lässt man dann die Gebäude nicht einfach stehen? Auch das wäre so etwas wie eine Deponie. Und vor allem: Warum wollen die Atomkonzerne in Deutschland den sehr schwach aktiven Atommüll überhaupt durch Freigabe „unters Volk streuen“, während man dies in Frankreich unterlässt? (Quelle: IPPNW-Paper: (Zerlegt, verbrannt, getrocknet, gepackt. „Freimessen“ beim AKW-Rücbau. https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Forum/141/Freimessen_beim_AKW-Rueckbau.pdf)

Es steht außer Frage, dass wir nicht umhinkommen, als Gesellschaft eine Lösung für unseren Atommüll hier in Deutschland zu finden! Wir und unsere Nachkommen haben diese Altlasten des Atomzeitalters zu tragen.

Und ein Verhalten nach dem St.-Florians-Prinzip „Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!“ kommt auch nicht in Frage. D.h., eine Verschiebung des freigemessenen AKW-Bauschutts in andere Länder steht auch nicht zur Debatte.

Die IPPNW weist doch auf einen gangbaren Weg hin, wie mit dem freigemessenen AKW – Bauschutt verantwortungsvoll und ohne Schaden für die Allgemeinheit verfahren werden kann. Minister Jan Philipp Albrecht bzw. der zuständige Staatssekretär mit seiner Abteilung sollten sich vielleicht mit dieser Variante der Problemlösung intensiv beschäftigen und diese nicht schon im Vorwege ablehnen. Die betroffenen Regionen Ostholstein und Lübeck würden es ihm danken!